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  Der Turnverein Ottersheim ist einer von 4 Stammvereinen, deren Handball-Abteilungen sich zu einer Spielgemeinschaft (Südpfalz-Tiger) zusammen geschlossen haben.

 

   

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Überblick Chronik des Vereins (1892 - 1967)

Details

Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei...

Vierzig Jahre nach dem Tode des Turnvaters Jahn gründete am 5. Juni etwa 30 junge Männer den Turnverein Ottersheim. In Anlehnung an bereits bestehende Turnervereinigungen legte man bei der ersten Generalversammlung die Satzungen fest. Der Verein setzte sich im Sinne Jahns das Ziel, seine Mitglieder an Körper und Geist zu frischen, frommen, fröhlichen und freien Menschen zu erziehen. Man erstrebte, daß in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohne. Dieses Ziel soll erreicht werden durch regelmäßige Turnübungen, durch Belehrung, durch Turnfahrten und durch gesellige Zusammenkünfte. Mit dem Eintritt in den Verein verpflichtete sich jedes Mitglied, am Vereinsleben entsprechend Anteil zu nehmen.

Bei der ersten Versammlung wurde auch ein Turnrat gewählt, dem folgende Männer und Frauen angehörten:

  • Seither Josef (1. Vorstand)
  • Kreiner Ludwig (2. Vorstand)
  • Müller Josef (1. Turnwart)
  • Zwißler Eugen (2. Turnwart)
  • Zwißler Johann (Schriftwart)
  • Gensheimer Adam (Zeugwart)
  • Benz Philipp (Kassenführer)
  • Jochim Ludwig (Beisitzer)
  • Reinhardt Friedrich (Beisitzer)

Jedes aktive Mitglied mußte eine Aufnahmegebühr von einer Mark zahlen.Der Monatsbeitrag wurde auf 20 Pfennige festgesetzt. Jugendliche von 13 bis 16 Jahren galten als Zöglinge und waren beitragsfrei. Mit 24 Jahren war es möglich, als passives Mitglied dem Turnverein anzugehören. Im übrigen konnten nur männliche Personen Mitglied des Turnvereins werden.

Alljährlich wollte man am letzten Sonntag im Monat Mai ein Turnfest abhalten, das am Abend mit einem Ball enden sollte. Es war Aufgabe des Turnwartes und seines Stellvertreters, die Turnübungen und die Turnfahrten anzusetzen und zu leiten. Da für das Geräteturnen anfänglich kein Raum vorhanden war, beschränkte man sich auf Freiübungen, Laufen, Springen und Werfen. Die Turnstunden fanden auf einem behelfsmäßigen Turnplatz statt.

Disziplin ist alles...

Vom Jahre 1907 wird uns berichtet, daß ein Fräulein Kreiner in der Ludwigstraße zu diesem Zweck ihren Hof gegen eine monatliche Gebühr von einer Mark zur Verfügung stellte. Im übrigen herrschte strenge Disziplin. Nichtmitglieder durften den Turnplatz nicht betreten, ausgenommen bei Schauturnen gegen eine entsprechende Eintrittsgebühr. Wer von den aktiven Turnern ohne Erlaubnis den Turnplatz verließ, bevor die Übungen beendet waren, mußte 10 Pfennig Strafe in die Vereinskasse zahlen. Ähnlich erging es demjenigen, der ohne triftigen Grund den Turnstunden fernblieb.
Alljährlich fand zur vorgeschriebenen Zeit die Generalversammlung des Turnvereins statt, bei der jeweils ein neuer Turnwart gewählt wurde. Es ist auffällig, daß im ersten Jahrzehnt die Vorstände, Turnwarte, Schriftwarte usw. im Gegensatz zur späteren Praxis sehr häufig wechselten.
Die erste Vereinsfahne...

Im Jahre 1904 wurde für 350 DM eine Vereinsfahne angeschafft und feierlich geweiht. Da der Turnverein weder über eine Turnhalle, noch über genügend Übungseinrichtungen verfügte, flaute der Turnbetrieb im Laufe der Zeit ab.

Zum Gasthaus "Gambrinus"...

Das scheint 1907 , als Lehrer Renn die Leitung des Vereins übernahm, etwas besser geworden zu sein. Damals mietete man den Tanzsaal im Gasthaus "Zum Gambrinus" und hielt dort wöchentlich 2 Turnstunden ab. An den Geräteübungen beteiligtem sich in jener Zeit 16 Jungmänner und 8 Zöglinge. Turnwart Josef Nann hielt 1907 insgesamt 84 Turnstunden ab. Für den Monat Juli hatte man ein großes Schauturnen im Walde vorgesehen, an dem 14 Vereine mit mehr als 350 Turnern teilnahmen. Unter Mitwirkung der Tanzkapelle Gaab wurden abends in der Gastwirtschaft "Zum Gambrinus" die Preise verteilt. Beim Gauturnfest in Neustadt war Ottersheim im Jahre 1907 mit 19 Turnern vertreten, die unter 36 Vereinen den fünften Platz erzielten.

Turnen in der Schulscheune...

Im Jahre 1908 richtete Vorstand Renn an die Gemeinde die Bitte, dem Turnverein eine der beiden Schulscheuern als Übungsstätte zu überlassen. Da die Scheune aber zur Lehrerdienstwohnung gehörte, lehnte der Gemeinderat den Antrag ab. Doch schon ein Jahr später fand sich nach Übereinkunft aller beteiligten eine brauchbare Lösung. Gegen eine jährliche Gebühr von 30 Mark, die an den Schulleiter der katholischen Schule zu entrichten war, erhielt der Turnverein das Recht, die westliche Schulscheune als Behelfsturnhalle zu verwenden. Auf Kosten des Turnvereins wurde zwischen den beiden Tennen eine Backsteinmauer eingezogen und die Decke der Scheune verschalt. Dann wurden Reck und Barren in der Turnhalle aufgestellt. Daneben waren in dem Raum noch einige Kleingeräte, wie Hantel und Kugel, untergebracht.

Ein Schuß fürs Turnpferd...

Ein Turnpferd wurde erst 1913 angeschafft, nachdem das Geld auf eine ziemlich opriginelle zusammengekommen war. In diesem Jahr stellte nämlich der Turnverein bei der Kirchweihe einen Schießstand auf, der 86 Mark Reingewinn erbrachte. Die rewstlichen 34 Mark für das Turnpferd legte man aus der Vereinskasse hinzu. Zur Pflege des Schießsportes kaufte man übrigens im gleichen Jahr auch ein Gewehr.

Der 1. Weltkrieg und die Jugendwehr...

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, hatte der Turnverein Ottersheim 114 Mitglieder, von denen 103 teils sofort, teils etwas später zum Militär eingezogen wurden. 17 Mitglieder starben den Tod fürs Vaterland, 3 blieben vermißt und 8 gerieten in Gefangenschaft. Eine Ehrentafel aus dem Jahre 1927 soll das Andenken der Gefallenen und Vermißten in der Turnerfamilie wachhalten. Während des Krieges war an einen geordneten Turnbetrieb nicht zu denken. Lediglich die sogenannte Jugendwehr kümmerte sich um die körperliche Ertüchtigung der Schulentlassenen. Dieser Wehr gehörten in Ottersheim etwa 60 Jugendliche an, die von den Übungsleitern Konrad Störtzer, Jean Benz und Josef Nann betreut wurden.

Es geht wieder aufwärts...

Erst im Jahre 1920 wurde in Ottersheim der Turnbetrieb wieder aufgenommen. Mit Jean Benz als erstem Vorstand und Paul Dörzapf als Turnwart standen 2 turnbegeisterte Männer an der Spitze des Vereins, die in kurzer Zeit neues Leben in den Reihen der Turner entfachten. Die Turnhalle wurde ausgebessert und mit Licht versehen. Nach und nach wurden Sprungmatte, Stein, Sprungständer, Trommel, Faustball, Ger, Reckstange, Kugel, ein neuer Barren und 12 Paar Keulen angeschafft. Auf dem alten Festplatz in den "Erlen" richtet man die Sprungbahn wieder her. Jeden Dienstag- und Freitagabend fanden Turnstunden statt, die auch fleißig besucht wurden.

Fußball in Ottersheim...

Da verschiedene Mitglieder des Turnvereins eine Fußballabteilung gründen wollten, ließ man auf der Gänsehaardt behelfsmäßig einen Spielplatz anlegen. An der Herrichtung des Platzes beteiligten sich insgesamt die 22 Fußballspieler unter ihrem Leiter Wilhelm Hellmann. Allerdings erwies sich die Fußballabteilung des Turnvereins nicht als besonders lebensfähig, so daß sie schon nach wenigen Jahren den Betrieb einstellte.

Das Kreisturnfest in Ludwigshafen...

1922 war der Turnverein der stärkste Verein in Ottersheim. Er hielt alljährlich im Walde ein Turnfest ab, an dem sich neben der einheimischen Bevölkerung auch zahlreiche auswärtige Vereine beteiligten. Bei dem pfälzischen Kreisturnfest in Ludwigshafen im Jahre 1925 stellte Ottersheim eine neun Mann starke Riege, der es gelang, im Reckturnen, im Lauf und bei den Freiübungen den 2. Preis zu erringen. Das Vereinswetturnen im August 1925 hatte mit 38 Wettkämpfern die größte Teilnehmerzahl seit Bestehen des Vereins. In diesem Jahr wurden 110 Turnstunden mit durchschnittlich 15 Teilnehmern abgehalten. War es da ein Wunder, wenn der Ruf nach einer neuen Turnhalle immer lauter ertönte ? Trotz vieler Anläufe sollte es leider noch vier Jahrzehnte dauern, bis dieser Wunsch endlich in Erfüllung ging.

Wenn das liebe Geld nicht wär'...

Im Jahre 1927 kaufte der Turnverein im Faselbrühl einen Bauplatz, der aber schon 1929 wieder veräußert wurde.
1930 wollte man an der Landauer Straße beim Mühlweg eine Halle erstellen, doch scheiterte auch dieser Plan an den fehlenden Geldmitteln. Das war umso bedauerlicher, als 1931 die Schulscheunen abgerissen werden mußten, weil sie baufällig waren. Damit stand fortan keine Übungsstätte für das Geräteturnen mehr zur Verfügung.

Der Handballsport ist geboren...

Inzwischen hatte sich freilich ein neuer Übungszweig herausgebildet, der unter der Turnerjugend von Jahr zu Jahr mehr Abhänger fand: das Handballspiel.
Im November 1927 wurde dieses Spiel im Turnverein begonnen und schon in kurzer Zeit zu erstaunlicher Höhe geführt.
Beim Handballwerbetag im Jahre 1928 trat die Ottersheimer Mannschaft zum ersten Mal vor doe Öffentlichkeit. Waren es 1928 noch 17 Spiele, die von der Handballmannschaft durchgeführt wurden, so stieg diese Zahl 1929 auf das Dreifache an. Zeitweise waren es sogar 3 Mannschaften, die in Ottersheim das Handballspiel pflegten. Demgegenüber ging das Turnen stark zurück, zumal seit 1931 auch kein Übungsraum mehr vorhanden war.

Handball auf der Gänsehaardt...

Allerdings ließ das Handballspiel auf der Gänsehaardt viel zu wünschen übrig. So ist es nicht verwunderlich, wenn der Turnverein 1929 mit der Bitte an die Gemeinde herantrat, den Sportplatz erweitern zu dürfen. Dieser Wunsch wurde auch erfüllt. Zwischen Bürgermeister Franz Steegmüller und Vorstand Jean Benz wurde 1931 ein Vertrag abgeschlossen, der dem Turnverein auf der Gänsehaardt einen ausreichenden Platz unentgeltlich überließ. Der Platz war im Norden begrenzt durch die Koposthaufen, im Osten durch den Neuweg und im Westen durch den Gänseweiher. Nach Süden hin durfte er 80 n breit sein. Nachdem die Rechtsverhältnisse geklärt waren, konnte mit dem Ausbau der Sportstätte begonnen werden. Das geschah hauptsächlich in den Jahren 1932 und 1933 mit Hilfe des Freiwilligen Arbeitsdienstes. Zu den Kosten steuerte das Arbeitsamt insgesamt 4000 Mark bei. Es wurden Entwässerungsgräben angelegt und der Platz eingeebnet. Außerdem errichtete man eine Umkleidehütte und legte einen Fußpfad an. Damit waren die äußerlichen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Handballbetrieb vorhanden.

Und wieder ruht der Sport...

Die Machtübernahme Hitlers im Jahre 1933 war dem Turnverein Ottersheim nicht von Nutzen. Obwohl die körperliche Ertüchtigung der Jugend ein wichtiger Programmpunkt nationalsozialistischer Politik war, ging es in Ottersheim mit dem Sport offensichtlich rückwärts. 1933 traten 26, im folgenden Jahr sogar 28 Mitglieder aus dem Turnverein aus, so daß der Verein am 1. Januar 1935 noch 54 Mitglieder zählte. Auch der langjährige, erfolgreiche Vorstand Jean Benz legte sein Amt nieder. Obwohl die nationalsozialistische Führung mit der befohlenen Gleischaltung des Turnvereins sehr vorsichtig zu Werke ging, hatten nur wenige Lust, durch ihre Mitarbeit den Hitlerstaat aktiv zu unterstützen, wie das in der oben verordneten Einheitssatzung im Jahre 1937 gefordert wurde.
Vom Jahr 1938 berichtet das Protokollbuch, daß jede Vereinstätigkeit ruhte.

Der Tiefpunkt...

War das Turnen schon vorher zum Erliegen gekommen, so mußte jetzt auch das Handballspiel eingestellt werden, weil der Sportplatz wegen des Westwallbaues nicht mehr benutzt werden konnte.
1939 wurden zwar die Spiele im geringen Umfang wieder aufgenommen, doch setzte der inzwischen ausgebrochene Zweite Weltkrieg jeder sportlichen Betätigung alsbald ein Ende.
Im Jahr 1945 ging sogar die Vereinsfahne verloren. Beim früheren Vorstand Jean Benz waren nämlich etwa 50 Marokkaner einquartiert. Als die Soldaten am 1. April 1945 das Dorf verließen, fehlte die Vereinsfahne samt Zubehör.

Aufbau durch den Sportverein...

Erst 1946 führte der am 3. März gegründete Sportverein die Arbeit des ehemaligen Turnvereins weiter. Zum ersten Vorstand wählte man Karl Wünschel, zum zweiten Peter Hindert, zum Schriftführer Jean Benz und zum Spielwart Erwin Winkelblech. Neben geselligen Veranstaltungen wollte man vor allem Handballspiele durchführen.
Zu Beginn des Jahres 1947 hatte der Verein bereits 107 Mitglieder, die in kurzer Zeit auf 141 anwuchsen. Bei der Generalversammlung meinte Jean Benz, der Verein habe in der Vergangenheit hauptsächlich Unterhaltungen, Theaterspiele und Bälle abgehalten, jetzt müsse er sich stärker dem Sport und der körperlichen Ertüchtigung der Jugend widmen. Zu diesem Zweck sollte vor allem der Sportplatz wieder hergerichtet werden.

Ein neuer Platz...

Tatsächlich konnte bereits im März des folgenden Jahres die Firma Becht aus Hördt mit den Arbeiten auf der Gänsehaardt beginnen und sie in verhältnismäßig kurzer Zeit erfolgreich abschließen. Die feierliche Einweihung des Platzes fand am 18. Mai 1948 unter Mitwirkung der Musikkapelle statt. Im gleichen Jahr nahm der Sportverein auch die Tradition des Turnvereins wieder auf und veranstaltete einen Sommertagsumzug, der sich eines außergewöhnlichen Zuspruchs erfreute.

Ähnlich war es 1949, wo sich außer der Musikkapelle geschmückte Reiter und Wagen sowie eine Gruppe Radfahrer beteiligten.
Im Jahre 1950 wurden auf dem Sportplatz neue Umkleideräume erstellt, zu denen der Handballverband 800 DM Zuschuß gewährte.

Und wieder Turnverein...

Da es an geeigneten Räumlichkeiten zum Turnen fehlte, blieb das Handballspiel weiterhin der wichtigste Sportzweig des Turnvereins, wie sich der Verein 1950 auf Beschluß der Generalversammlung wieder bezeichnete. Daß der Turnverein nach dem zweiten Weltkrieg so rasch wieder aufblühte, war nicht zuletzt das Verdienst von Peter Hindert, der als Vorstand von 1947 bis 1951 weder Zeit noch Mühen scheute, der Turnsache voranzuhelfen.

Die Hindertbuche...

Als er 1951 nach Germersheim verzog, pflanzte man ihm zu Ehren in der Nähe des Sportplatzes eine Buche, die Hindertbuche genannt wurde.
Im Jahre 1952 konnten das 60-jährige Stiftungsfest des Turnvereins und das 25-jährige Jubiläum der Handballabteilung gefeiert werden.

Das Jubiläumsjahr...

Die Festlichkeiten fanden am 29. Juli statt und waren von dem damaligen Vorstand Oskar Hoffmann gut vorbereitet worden. Am Vormittag wurden Dreikämpfe und leichtathletische Einzelwettkämpfe durchgeführt. Am Nachmittag fand ein Schauturnen unter Mitwirkung auswärtiger Vereine statt. Den Ehrenpreis der Gemeinde Ottersheim konnte der Turnverein Herxheim als Sieger in der 8x100 m-Staffel nit nach Hause nehmen. Den Abschluß des Festes bildete ein Feuerwerk, wie es erstmals in Ottersheim zu sehen war.Bei dem Vereinsjubiläum war auch Ruprecht Job, der Sohn des Ehrenmitglieds Peter Job, aus den Vereinigten Staaten in Ottersheim anwesend. Er versprach, dem Turnverein eine neue Fahne zu stiften und vei der Weihe wieder nach Deutschland zu kommen. Job hielt sein Versprechen.

Die neue Fahne aus Amerika...

So konnte im Juli 1954 die neue Fahne in seiner Gegenwart geweiht werden. Zum Dank und zur Erinnerung wurdem dem edlen Stifter der Ehrenbrief und ein Gemälde des Dorfes Ottersheim überreicht.
Im Jahre 1954 nahm der Verein den Turnbetrieb wieder auf. Da aber in Ottersheim kein geeignetet Raum vorhanden war, mußten die Turnstunden auswärts gehalten werden. Damals gründete man auch eine Turnerinnenabteilung.

Emanzipation beim Turnverein...

Zugleich wurden die Satzungen dahin gehend verändert, daß in Zukunft auch Mädchen und Frauen gleichberechtigte Mitglieder des Turnvereins werden konnten. Je mehr aber das Turnen aufblühte, desto stärker wurde der Mangel einer Turnhalle von den Vereinsmitgiedern empfunden. Bürgermeister Paul Dörzapf erwog den Plan, in den Schulgärten eine Halle zu entrichten. Wie in früheren jahren, scheiterte auch dieser Plan an den fehlenden Geldmitteln.

Sportliche Erfolge...

So blieb das Handballspiel auch weiterhin Schwerpunkt der sportlichen Arbeit des Turnvereins. Zweitweise konnte Ottersheim 5 Handballmannschaften auf die Beine stellen, die bei den Handballturnieren beachtliche Erfolge erzielten. Höhepunkt dieser Entwicklung war das Jahr 1958 , wo die erste Mannschaft aus den Kämpfen als Kreismeister hervorging.
1963 konnte die B-Jugend sogar die Pfalzmeisterschaft erringen.

Rücktritt bei den Bundesjugendspielen...

Seit dem Jahre 1955 organisierte der Turnverein alljährlich auch die Bundesjugendspiele in Ottersheim, die stets mit einem kleinen Waldfest verbunden waren. Auch im Jahre 1960 fanden im Sommer wieder die Bundesjugendspiele unter Beteiligung der Jungen und Mädchen auf dem Sportplatz statt. Zum Leidwesen des 1. Vorstandes waren aber beim Festzug nur wenige Vereinsmitglieder anwesend. Obwohl das Fest auf dem Sportplatz ganz harmonisch verlief, erklärte Hoffmann seinen Rücktritt als Vorstand des Vereins. Seine Vertretung übernahm bis zur nächsten Generalversammlung der 2. Vorstand Josef Weimann.
Im Jahre 1961 wurde der bisherige Rechner Richard Föhlinger zum Vorsitzenden des Turnvereins gewählt. Föhlinger wollte nicht nur die begonnene Arbeit tatkräftig weiterführen, sondern darüber hinaus einen neuen Plan verwirklichen: Der Turnverein Ottersheim sollte einen Spielmannszug erhalten.

Der Spielmannszug...

Am 25. Juni wurde in einer Vorstandssitzung ein entsprechender Beschluß gefaßt, der auch bald in die Tat umgesetzt wurde. Die Anmeldungen zum Spielmannszug übertrafen alle Erwartungen, so daß schon bald mit den Übungsstunden unter der Stabführung des Fanfarenzugführers Werner Nägele aus Germersheim begonnen werden konnte. Für die Anschaffung der Instrumente brachten nicht nur die Mitglieder des Vereins, sondern auch die Spieler beachtliche finanzielle Opfer. Ein Jahr später trat der Spielmannszug bei 30-jährigen Stiftungsfest der Musikkapelle Ottersheim erstmals geschlossen in seiner Heimatgemeinde auf. Durch seine gute Disziplin und sein flottes Spiel erwarb er sich die Anerkennung und den Beifall der Bevölkerung.
Am 11. und 12. Mai 1963 feierte er sein Gründungsfest, an dem sich unter anderem der Spielmannszug Abenberg bei Nürnberg beteiligte. Seit dieser Zeit wirkte der Spielmannszug bei einer Reihe von Festen in Ottersheim und anderen Orten der Pfalz mit.

Endlich: Die Schulturnhalle...

Das Jahr 1961 wird auch in der Geschichte des Turnvereins unvergessen bleiben. Am 13. September diesen Jahres faßte nämlich der Gemeinderat den Beschluß, mit einem neuen Schulhaus auch eine Turnhalle zu errichten. Damit sollte ein jahrzehntelanger Wunsch der Ottersheimer Turner endlich in Erfüllung gehen. Am 23. Oktober 1965 wurde das neue Gebäude seiner Bestimmung übergeben. Nun war nach so vielen vergeblichen Ansätzen ein Raum vorhanden, wo man nicht nur das Geräte- und Bodenturnen, sondern auch das Hallenhandballspiel betreiben konnte. Erfreulicherweise erklärte sich die Gemeinde bereit, die geräumige Turnhalle den Turnern und Sportlern unentgeltlich als Übungsstätte zu überlassen. Jetzt ist es nicht mehr notwendig, daß Sportlehrer Brodrück mit seinen Handballern zum Training nach Haßloch fährt, wie es vorher der Fall war. Inzwischen wurde auch der Turnbetrieb in der Halle aufgenommen. Während die Mädchen und Frauen von Frau Gertrud Benner betreut werden, hält Turnwart Hellmann von Bellheim regelmäßig Turnstunden für Männer und Jungmänner ab.

Sport und Geselligkeit...

Getreu seiner Satzungen hat sich der Turnverein Ottersheim nicht nur für die körperliche Ertüchtigung der Jugend durch Turnen und Sport, sondern auch für die Pflege der Geselligkeit eingesetzt. Bei vielen Waldfesten versammelte sich am Nachmittag mit der Turnerfamilie meist ein großer Teil der Dorfbevölkerung, um bei Musik, Lied und Gespräch ein paar schöne Stunden zu verbringen. Zur Weihnachtszeit oder beim Jahreswechsel fanden häufig Unterhaltungen mit Theateraufführungen statt, die von jung und alt gern besucht wurden. Nur ungern verzichteten in der Vergangenheit die Vereinsmitglieder und ihre Angehörigen auf einen Ball.

Sport und Kultur...

Auch das örtliche Brauchtum ist den Turnern zum Dank verpflichtet. Wenn heutzutage zum Frühlingsanfang regelmäßig ein Sommertagsumzug veranstaltet wird, so ist dieser Brauch das Werk des ehemaligen Vorstandes Peter Hindert, der diesen Umzug nicht nur anregte, sondern auch persönlich organisierte.

So ist der Turnverein Ottersheim aus dem kulturellen Leben des Dorfes heute nicht mehr wegzudenken. Das Jubiläumsjahr 1967 aber, wo der Verein sein 75-jähriges, die Handballabteilung ihr 40-jähriges und der Spielmannszug sein 5-jähriges Wiegenfest feiern konnte, war nicht nur der Abschluß einer ruhmvollen Vergangenheit, sondern zugleich der Anfang einer hoffnungsvollen Zukunft im Geiste jener Männer, die 1892 den Turnverein Ottersheim ins Leben riefen.

   

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